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Grundlagen von Akupunktur und verwandten Verfahren


Kopfschmerz-Therapie durch Triggerpunkt-Akupunktur


Ein häufiger Aspekt in der Genese von Kopfschmerzen sind typische muskuläre Verspannungen mit aktiven Triggerpunkten in der jeweiligen Muskulatur. Als Triggerpunkt bezeichnet man eine umschriebene, druckdolente, palpabel abgrenzbare Konsistenzänderung im Muskel mit einem für den jeweiligen Muskel spezifischen Muster der Schmerzausstrahlung, wobei das spontan auftretende Schmerzmuster durch Druck auf den Triggerpunkt reproduziert werden kann.

Die Kopfschmerzen kann man, dem auch in der Akupunktur üblichen lokoregionalen Schema folgend, in vier topografische Varianten unterteilen: Frontal- oder Stirnkopfschmerz, Temporal- oder Schläfenkopfschmerz, Okzipital- oder Hinterhauptskopfschmerz und Scheitel- oder Kalottenkopfschmerz.

Den vier Kopfschmerzarten kann man jeweils ein Leitbahnpaar zuordnen: Der Frontalkopfschmerz zählt zum Yangming-Kopfschmerz, die betroffenen Leitbahnen sind Dickdarm und Magen, der Schläfenkopfschmerz zählt zum Shaoyang-Kopfschmerz, die betroffenen Leitbahnen sind 3Erwärmer und Gallenblase, der Okzipital-Kopfschmerz zählt zum Taiyang-Kopfschmerz, die betroffenen Leitbahnen sind Dünndarm und Blase. Alle genannten Leitbahnachsen sind Yang-Leitbahnachsen.

Nur der Scheitel- oder Kalottenkopfschmerz macht hier eine Ausnahme, er zählt zum Jueyin-Kopfschmerz, weil ein innerer Ast der Leber-Leitbahn am LG 20 Baihui endet, die betroffenen Leitbahnen sind somit Pericard und Leber.

Frontalkopfschmerz: Die typischen Triggerpunkte für den Frontal- oder Stirnkopfschmerz finden sich im sternalen und klavikularen Kopf des M. sternocleidomastoideus, sowie im M. masseter und M. frontalis (s. Abb.1 und 2). Dabei sind die Sternocleidomastoideus-Triggerpunkte mehrheitlich zu finden, meist findet man im M. masseter und im M. frontalis jeweils nur je einen Triggerpunkt, die wir als die Akupunkturpunkte Ma 6 Jiache (Abb.3) und Gb 14 Yangbai kennen.

Abb.1: M. sternocleidomastoideus, sternaler Kopf


Abb.2: M. sternocleidomastoideus, klavikularer Kopf


Abb.3: Prüfung des M. masseter


Temporalkopfschmerz: Die Triggerpunkte für den Temporal- oder Schläfenkopfschmerz finden sich in den kranialen Fasern des M. trapezius (Abb.4), wiederum im sternalen Kopf des M. sternocleidomastoideus, sowie in den Mm. temporalis und semispinalis capitis.

Abb.4: Palpation der Trigger des M. trapezius


Abb.5: Palpation im Bereich des M. temporalis


Wie im M. sternocleidomastoideus finden sich meist auch im M. trapezius mehrere isolierte Triggerpunkte. Im Bereich des M. temporalis (Abb.5) finden sich gleich mehrere bekannte Akupunkturpunkte unter den Triggerpunkten. Das sind Gb 3 Shangguan, Gb 8 Shuaigu und PaM 9 Taiyang (Ex-HN 5). Im M. semispinalis capitis findet sich der Punkt Gb 19 Naokong.

Okzipitalkopfschmerz: Die von Triggerpunkten betroffenen Muskeln beim Okzipital- oder Hinterhauptskopfschmerz sind hauptsächlich der M. trapezius, dann wiederum die beiden Köpfe des M. sternokleidomastoideus und auch wieder der M. semispinalis capitis. Der M. trapezius imponiert mit dem PaM 30 Bailau (Ex-HN 16), mit dem 3E 15 Tianliao (Abb.6) und den Punkten Bl 43 Gaohuang, Bl 44 Shentang, Bl 45 Yixi und Bl 46 Geguan (Abb.7). Der besondere Bezug zu den psychosomatisch wirksamen Punkten der äußeren Blasenleitbahn, hier im Bereich der thorakalen Segmente, lässt auch psychische Belastungen als ursächliche Störungen der Okzipitalkopfschmerzen sehr wahrscheinlich erscheinen.

Die Triggerpunkte in den Köpfen des M. sternocleidomastoideus und im M. semispinalis capitis wurden oben schon beschrieben, haben also überlappend auf die Temporal- und Okzipitalregion nachhaltigen Einfluss.

Abb.6: Palpation des M. trapezius


Abb.7: Trigger auf dem äußeren Ast der Blasenleitbahn


Diagnostik: Stellt sich die Frage, wie man bei der vielschichtigen Kopfschmerzproblematik die eindeutige Zuordnung als Triggerpunkt-induzierte Kopfschmerzen vornehmen können. Schon 1983 haben Travell und Simons reproduzierbare diagnostische Kriterien für die myofaszialen Triggerpunkte benannt (Tab.1). Deren sinngemäße Definition der myofaszialen Schmerzsyndrome lautet: Übertragene Schmerzen und/oder autonome Phänomene von aktiven myofascialen Triggerpunkten mit begleitender Dysfunktion.

Tab.1: Diagnosekriterien für myofasziale Triggerpunkte
  1. Empfindliche, druckdolente Stelle in einem muskulären Hartspannstrang mit einer unwillkürlichen Ausweichbewegung (jumping sign) vornehmlich in der tonischen Muskulatur
  2. Lokale muskuläre Zuckung als Antwort auf eine mechanische Stimulation (local twitch response)
  3. In eine Präferenzzone übertragener Schmerz
  4. Wiedererkennung des Schmerzes durch den Patienten
  5. Streckhemmung des Muskels
  6. Reduktion der Kontraktionskraft oder nachfolgend muskuläre Atrophie
  7. Weitere vegetative Phänomene

Für die Praxis hat sich folgende Vorgehensweise bewährt, wobei Dehnungstests als Basis der Differenzierung verwendet werden, die eine gewisse Palpationserfahrung des Therapeuten voraussetzen. Die möglichst hohe Zuverlässigkeit der diagnostischen Aussagen muss in der Praxis mit einem möglichst geringen Zeitaufwand einhergehen. Technische, apparative Diagnoseverfahren bleiben deshalb im klinischen Alltag meistens außen vor. Es reichen die ersten vier Diagnosekriterien aus obiger Tabelle. Das praktische Vorgehen zeigt Tab.2:

Tab.2: Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf myofasziale Trigger
  1. Dehnung der suspekten Muskeln, wobei der ausgelöste Schmerz vom Patient als sein Leitschmerz erkannt werden muss
  2. Aufsuchen des Hartspannstrangs im suspekten Muskel, evtl. unter Dehnung
  3. Palpation von ödematösen Verquellungen innerhalb des Hartspannstrangs
  4. Palpation der Druckdolenz, Empfindlichkeit auf Fingerdruck
  5. Ausgelöster Schmerz wird erneut vom Patienten als sein Leitschmerz wiedererkannt

Therapie: Von allen therapeutischen Möglichkeiten ist für den Akupunkteur die Therapie mit der Akupunkturnadel, das Dry-Needling, die Methode der Wahl. Dabei gilt es, die Prinzipien der Sorgfalt bei der Akupunktur auf jeden Fall einzuhalten, um komplikationslos zu therapieren. Besonderer Sorgfalt bedarf es bei der Triggerpunkt-Akupunktur im Nacken-Hals-Bereich. Das Ziel ist es, lokales Qi- und Blut-Xue wieder in Fluss bringen, d. h. Normalisierung von Tonus und Trophik. Der Vorteil besteht in geringerer Gewebebelastung, weniger Schmerz und einer guten Patientencompliance.

Strategie: Bei Füllesymptomatik setzt man sofort die Triggerpunkt-Akupunktur ein (Abb.8 und Abb.9), dann kann man die Akupunktur nach TCM-Regeln fortsetzen. Direkte Triggerpunkt-Nadelung, löst die „local twitch response“ aus, es erfolgt eine sedierende Stimulation. Bei wechselnden Trigger-Punkten sind nacheinander mit gleicher Nadel alle Punkte zu stechen. Bewährt haben sich die Weici-Methode, wobei ein Zentralnadelstich plus 4 Tangentialstiche auf das Zentrum zu in 1,5cun Abstand erfolgen, sowie die Peici-Methode als Reihennadelung in 1cun Abstand bei gleicher Stichrichtung und Stichwinkel (Tangentialstiche).

Abb.8: Triggerpunkt-Akupunktur im M. sternocleidomastoideus


Abb.9: Triggerpunkt-Akupunktur des M. trapezius


70 % der Trigger-Points sind ja auch als Akupunktur-Punkte bekannt und beschrieben, wobei Trigger-Points aber bis zu 3 cm von den klassischen Akupunktur-Punkten abweichen. Deshalb macht es Sinn, auch die lokoregionalen Akupunktur-Punkte in die Therapie mit einzubeziehen. Auf jeden Fall gilt auch hier: Vor jeder neuen Behandlung führe man eine Pathogenetische Aktualitätsdiagnostik durch! Diese ist lehrbar, lernbar und reproduzierbar, auf jeden Fall in den Akupunktur-Kursen der DGfAN. Unser Motto: Lust auf Fort- und Weiterbildung?


Dipl.-Med. Reinald Poetzschner
Facharzt für Orthopädie
Akupunktur, Chirotherapie, NHV
poetzschner@dgfan.de
Dr. med. Reinhart Wagner
Facharzt für Allgemeinmedizin
Facharzt für Sportmedizin
Akupunktur, Chirotherapie, NHV
dr.wagner@dgfan.de


Literatur bei den Verfassern

Aktualisiert am: 17.10.2013


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