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Grundlagen von Akupunktur und verwandten Verfahren


Schmerz in der TCM – Teil 3


Nachdem wir uns im Teil 1 mit den Möglichkeiten der Schmerztherapie durch Akupunktur und im Teil 2 mit der Differenzierung der Schmerzen aus verschiedenen Blickwinkeln befasst haben, zeigt Teil 3 abschließend die Grundlage einer differenzierten Therapieoption über die Entwicklung allgemeiner Behandlungskonzepte in der Akupunktur und TCM, mittels Nadel, Moxibustion oder anderer Reizparameter.

Grundsätzlich bedeutet Schmerz ein Ungleichgewicht zwischen Abwehr-QI und pathogenen Faktoren. Daraus ergibt sich ein therapeutisches Prinzip: Das Abwehr-QI stärken und die pathogenen Faktoren ausleiten. Diesem Prinzip folgend wird das QI genährt, das YANG tonisiert, die Zirkulation von QI und Blut-XUE verbessert. In der Praxis zeigen sich aber oftmals viel kompliziertere Zusammenhänge, so dass man weitere therapeutische Ansätze in seine Überlegungen einbeziehen muss; diese sind in Tab.1 aufgelistet.

Tab.1: Schmerztherapeutische Ansätze
  • Suche nach den Krankheitsursachen und sekundären Symptomen
  • Unterstützung des Abwehr-QI und Ausleitung der pathogenen Faktoren
  • Ausgleich von YIN und YANG
  • Abstimmung der Therapie auf Jahreszeit und Klima, Genotyp und Phänotyp

Daraus ergeben sich zwangsläufig therapeutische Schritte. In der konventionellen Medizin verfügen wir heute über drei allgemein gültige Methoden der Schmerztherapie: 1. Therapie der Ursache der Schmerzen. 2. Blockade der Weiterleitung der Schmerzimpulse. 3. Dämpfung der zentralen Schmerzwahrnehmung. In der TCM dagegen besteht das Behandlungsziel in einem Ausgleich zwischen YIN und YANG und der Wiederherstellung der Zirkulation von QI und Blut-XUE in den Leitbahnen. Aber es gibt aus Gemeinsamkeiten wie die ZNS-Sedierung durch Einsatz von Sedativa in der westlichen Medizin und die gleichgerichtete Beruhigung des Geistes-Shen in der TCM. Eine Kombination Akupunktur und Arzneitherapie ist demzufolge sinnvoll. Die Tab.2 zeigt uns die empfohlenen Therapieschritte.

Tab.2: Therapieschritte
  • Beseitigung pathogener Faktoren
  • Verbesserung der QI- und Blut-XUE-Zirkulation
  • Harmonisierung der Leitbahnen und der Zang-Fu-Organe
  • Beruhigung des Geistes und Regulierung des Funktionskreises Herz
  • Verhinderung der erneuten Schmerzinduktion

Die Differenzierung nach den Ursachen der Symptome ist dabei die Basis einer erfolgreichen Therapie von Soma und Psyche. Erst danach kommt die reine Symptombehandlung in Betracht. Die Beruhigung des Geistes-Shen und die Regulierung des Herz-Funktionskreises, besser dessen Normotonisierung, ist nur in Kombination mit der Kausaltherapie sinnvoll. In der TCM wird auf die Schmerzprävention großer Wert gelegt, dazu nutzt man alle komplexen Möglichkeiten zum Erreichen der Homöostase.

Tab.3: Therapieschritte
  • Behandlung der Ursachen
  • Behandlung der Symptome
  • Behandlung der Pathogenese
  • Behandlung zur Beruhigung des Geistes
  • Schmerzprävention

Die Tab.3 listet die therapeutischen Verfahren der TCM auf. Die Tab.4 zeigt die daraus resultierenden therapeutischen Prinzipien. Statt der Aufzählung einzelner Akupunkturpunkte verweisen wir auf die Vielzahl einschlägiger Lehrbücher der Akupunktur.

Tab.4: Therapieprinzipien
  • Wind und Kälte vertreiben (Qu Feng San Han)
  • Wind ausleiten und Hitze klären (Qu Feng Qing Re)
  • Hitze klären und Toxine ausleiten (Qing Re Jie Du)
  • Wind vertreiben und Trockenheit befeuchten (Qu Feng Run Zao)
  • Wind ausleiten, Kälte vertreiben und Feuchtigkeit trocknen (Qu Feng San Han Li Shi)
  • Wind ausleiten, Hitze klären und Feuchtigkeit trocknen (Qu Feng Qing Re Li Shi)
  • Leber beruhigen und QI regulieren (Shu Gan Li Qi)
  • Blut-Stase und Schleim lösen (Qu Yu Han Tan)
  • QI und Blut-XUE tonisieren (Bu Qi Yang Xue)
  • Leber und Niere nähren (Zi Yang Gan Shen)
  • Innen-LI wärmen und Schmerzen mildern (Wen Li Zhi Tong)
  • Induzierung der Leitbahnen und Bereiche (Yin Jing Bao Shi)

Nun obliegt dem Therapeuten nur noch die sinnvolle Auswahl der therapeutisch induzierten Akupunkturpunkte, wozu es unerlässlich ist, sich Kenntnisse zur Theorie der Funktionskreise Zang-Fu im Konzept des Pentagramm und zu den Prinzipien der Leitbahnen zu erarbeiten. Daraus ergeben sich drei grundsätzliche Möglichkeiten der Punktauswahl: 1. Lokale Punkte in der Schmerzregion oder Nahpunkte, 2. Fernpunkte, 3. Punkte mit besonderer Bedeutung, die Steuerungspunkte.

Nahpunkte liegen im Bereich der Schmerzen (nach der „Da wo’s’schen Regel: Da wo’s weh tut“ liegt die betroffene Leitbahn) oder an das Schmerzgebiet angrenzend. Beide können elegant und wirkungsvoll miteinander kombiniert werden. Der Einsatz der Nahpunkte sollte den chronifizierten Schmerzen vorbehalten bleiben.

Fernpunkte liegen in größerer Entfernung zum eigentlichen Schmerzort auf der betroffenen Leitbahn, folgen dem Leitbahn-Achsen-Prinzip (Poetzschner) und liegen in der Regel an den Extremitäten distal von Ellbogen und Knie. Der Einsatz der Fernpunkte erfolgt bei allen akuten Schmerzstörungen sowie in Kombination mit den Nahpunkten und den Punkten mit besonderer Bedeutung auch bei subakuten und chronischen Schmerzen.

Steuerungspunkte werden in der TCM unter verschiedenen Kategorien gelistet. Die ältesten sind wohl die Antiken Punkte, schon vor 2000 Jahren im Neijing beschrieben, und unter ihnen wiederum die Strömungspunkte (Shu-Transport-Punkte) sowie die Quell-Punkte (Yuan-Qi-Punkte, Yuan-Punkte), dazu die Tonisierungs- und Sedierungspunkte. Die Shu-Transport-Punkte sind die jeweils Dritten der Antiken Punkte einer Leitbahn. Sie sind auf den YIN-Leitbahnen identisch mit den Yuan-Punkten. Auf der YANG-Leitbahn liegen die Yuan-Punkte distal der Shu-Transport-Punkte. Vom Yuan-Quell-Punkt zweigt das Kollateralgefäß (Transversales Luo) zu den gekoppelten Leitbahnen ab.

Besondere Bedeutung haben die nicht zu den antiken Punkten zählenden Passage-Punkte (Luo-Punkte), die das Ende der Transversalen Luo darstellen und das Longitudinale Luo zum gleichnamigen inneren Organ aktivieren. Therapeutisch wird durch das Transversale Luo die gekoppelte Leitbahn mit in die Therapie einbezogen. Es gilt der Leitsatz: Quellpunkt der energetischen Fülle zu Luo-Punkt der relativen Leere. Gleichzeitig mit dem Nadelreiz am Luo-Punkt wird dabei auch eine Normotonisierung des gleichnamigen inneren Organs bzw. dessen Funktion angeregt.

Spalt-Punkte (Xi-Punkte, Grenz-Punkte) befinden sich auf den Leitbahnen an Stellen, an denen sich QI und Blut-XUE sammeln und die 12 Sonderleitbahnen (6 Vereinigungen, 6 Sonderleitbahnpaare) abzweigen. Die alleinige Behandlung der Xi-Punkte wirkt sicherlich gut analgetisch, aber nur in der Kombination mit Punkten zur Beseitigung der Schmerzursache ist eine stabile analgetische Wirkung zu erzielen.

Meisterpunkte (He-Punkte, Einflussreiche Punkte) wirken speziell auf die Organe und Gewebe nach denen Sie benannt sind. Die Beziehung listet Tab.5 auf.

Tab.5: Acht Meisterpunkte
Punkte Organ/Gewebe Erkrankungen/Symptome
Bl 11 Dashu   Knochen   Skeletterkrankungen
Gb 39 Xuangzhong   Knochenmark   Schmerzen durch Blutmangel
Gb 34 Yanglingquan   Sehnen   Sehnen- und Faszienerkrankungen
KG 17 Tanzhong   QI   QI-Stagnation (nicht bei QI-Mangel)
Bl 17 Geshu   Blut   Blut-XUE-Mangel und -Stagnation
Lu 9 Taiyuan   Gefäßsystem   Schmerzen durch Gefäßerkrankungen
Le 13 Zhangmen   Zang-Organe   Schmerzen der YIN-Organe
KG 12 Zhongwan   Fu-Organe   Schmerzen der YANG-Organe


Alarm-Punkte (Mu-Punkte) an der Ventralseite des Rumpfes sind bei akuten und auch chronischen Erkrankungen oder Funktionsstörungen der zugehörigen inneren Organe palpabel, also diagnostisch verwertbar. Therapeutisch ist ein direkter normotonisierender Einfluss auf das dazugehörige innere Organ bzw. den ganzen Funktionskreis möglich.

Zustimmungs-Punkte (Shu-Punkte) befinden sich generell auf dem inneren Ast der Blase-Leitbahn, werden aber analog dem Segmental-regulatorischen Komplex (Becke) speziellen Organfunktionen zugeordnet. Die in gleicher segmentaler Höhe auf dem äußeren Ast der Blase-Leitbahn befindlichen psychogenen Zustimmungspunkte werden unterstützend bei psychosomatischen Störungen verwendet.

Kardinalpunkte (Schlüsselpunkte, Konfluenzpunkte, Mo-Punkte nach Richter/Becke) sind jeweils einer außerordentlichen Leitbahn, den Sondergefäßen, zugeordnet. Sie öffnen in der Schmerztherapie die Sondergefäße für die Therapie, sind zu je zwei YIN- und zwei YANG-Mo-Paaren therapeutisch gekoppelt, gelten als zusätzliche Energie-Reservoirs. Damit verbietet sich eine ständige Verwendung von selbst, denn es dauert längere Zeit, um diese Reservoirs wieder aufzufüllen.

Untere Einflussreiche Punkte (He-Punkte) gibt es nur für die YANG-Leitbahnen bzw. YANG-Organe. Sie liegen allesamt im Bereich des Kniegelenkes. Bei Funktionsstörungen und Schmerzen der YANG-Leitbahnen und/oder der YANG-Organe werden die He-Punkte oft mit den Alarm- bzw. Zustimmungspunkten kombiniert.

Symptomatische Punkte kennt man eine Anzahl und weiß aus der Überlieferung bzw. langjährigen Erfahrung, dass sie für die Therapie spezifischer Symptome ausgezeichnet geeignet sind. Tab.6 listet diese bewährten Indikationen ausgewählter Punkte auf.

Tab.6: Schmerzdifferenzierung nach QI- und Blut-XUE-Stagnation
Punkte symptomatischer Einsatz
LG 14 Dazhui   Fiebersenkung
LG 26 Renzhong   Wiederbelebung bei Bewusstlosigkeit, Anti-Schock-Punkt
Pe 6 Neiguan   Übelkeit und Erbrechen
Ma 40 Fenglong   Ausleitung von Schleim-Feuchtigkeit
Ma 36 Zusanli   Aktivierung der Milz, Tonisierung von QI und Blut-XUE


Die Vielzahl von Punkten und Punktkategorien ermöglichen dem erfahrenen Therapeuten die verschiedensten Punktkombinationen zu bilden. Diese Kombinationsmöglichkeiten lassen sich flexibel an spezielle Bedürfnisse anpassen. Es gibt aber auch traditionellerweise Kombinationen, die man mit starren Therapieschemata vergleichen kann. Bei allen Kombinationsmöglichkeiten sollte man immer beachten: 1. So wenige Punkte wie möglich, nur so viele Punkte wie unbedingt notwendig verwenden. 2. Den gleichen Punkt oder die gleiche Kombination von Punkten nicht über eine längere Zeit verwenden, denn die Wirksamkeit nimmt immer ab. Es sollten ähnlich wirksame Punkte oder vergleichbare Therapiekombinationen herangezogen werden. Immer ist nach einigen Therapiewochen eine Therapiepause einzulegen, damit sich das belastete Regulationssystem aufbauen kann.

Auf jeden Fall gilt aber: Vor jeder neuen Behandlung führe man eine Pathogenetische Aktualitätsdiagnostik durch! Diese ist lehrbar, lernbar und reproduzierbar, auf jeden Fall in den Akupunktur-Kursen der DGfAN. Unser Motto: Lust auf Fort- und Weiterbildung?


Dr. med. Reinhart Wagner
Facharzt für Allgemeinmedizin
Facharzt für Sportmedizin
Akupunktur, Chirotherapie, NHV
Kuhbacher Hauptstr. 71
77933 Lahr
dr.wagner@dgfan.de

Literatur beim Verfasser

Aktualisiert am: 17.10.2013


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