News

04.04.2017

Neuer Vorstand bei der DGfAN

» mehr lesen » weitere News

Events

18.01.2018 - 21.01.2018

8. Leipziger Update Regulationsmedizin

» weitere Events

Stellenangebote

20.06.2017

Ausbildungsassistent Allgemeinmedizin

» mehr lesen » weitere Stellenangebote
Sie sind hier: Fachbeiträge » Akupunktur

Grundlagen von Akupunktur und verwandten Verfahren


Schmerz in der TCM – Teil 1


Wenn man die Traditionelle Chinesische Medizin als das älteste komplementärmedizinische Konzept betrachtet, das auf eine mehr als 3000-jährige Erfahrung zurückblicken kann, dann kann man auf der Grundlage dieses einzigartigen Denkmodells für die Diagnostik und die Therapie der verschiedensten Krankheitsbilder schöpfen. Dabei sind viele Krankheitsbilder von Schmerzen geprägt, die wiederum durch die Akupunktur gelindert oder auch gänzlich beseitigt werden. So liegt es nahe, die Akupunktur auch zur Therapie der verschiedensten Schmerzsyndrome anzuwenden.

Wohl jeder Mensch macht einmal in seinem Leben die Erfahrung, Schmerzen erleiden zu müssen, wobei nicht immer eine Gewebsschädigung vorliegen muss. Oft ist der Schmerz nur der Warner vor einem möglich folgenden Schaden, wobei sich Schmerzen wiederum auf unterschiedlichste Art und Weise darstellen können. Auf alle Fälle gehen sie mit einer gewissen Einschränkung des Wohlbefindens und verschiedenster Körperfunktionen einher. Kein Schmerz spielt sich ausschließlich auf somatischer Ebene ab, sondern ist immer auch mit einer psychischen Komponente vergesellschaftet.

Chronifizierte Schmerzen lassen sich oft nur unvollständig, zumindest aber erheblich schwieriger behandeln. Sie treten oft völlig unabhängig von Gewebeschäden auf. Auch liegen meist keine zufriedenstellenden Erklärungsmodelle für Krankheitsbilder mit chronischen Schmerzen vor. Erschwerend wirken sich weitere psychische Aspekte unabhängig von der Krankheits- oder Schmerzursache aus, so Gefühle wie Hilflosigkeit, Frust, Ärger, Wut. Sie lassen Schmerzen intensiver erscheinen, erschweren die erfolgreiche Therapie.

Die TCM, speziell die Akupunktur, dabei oft auch entscheidend unterstützt durch chinesische Arzneitherapie, bieten eine lohnenswerten therapeutischen Ansatz bei der Behandlung auch chronischer Schmerzen mit den in Tab.1 aufgeführten Wirkungen.

Tab.1: Aspekte der TCM- und Akupunkturgestützten Schmerztherapie
  • Vollständiges oder überwiegendes Abklingen der Schmerzen
  • Verbesserte Fähigkeit im Umgang mit den Schmerzen
  • Harmonisierende Wirkung auf emotionale Störungen
  • Anhebung des Lebensenergie
  • Verbesserte Fähigkeit, das tägliche Leben zu meistern
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Reduzierung unangemessener Medikationen


Das Prinzip ist denkbar einfach: Die TCM geht davon aus, dass alle Akupunktur-Punkte über die Leitbahnen energetisch mit den Organen und Gewebeschichten verbunden sind. Durch Aktivierung der Akupunktur-Punkte bei Schmerzzuständen jeglicher Art wird die QI- und Blut-XUE-Zirkulation aktiviert und damit das gestörte Gleichgewicht zwischen YIN und YANG wieder hergestellt. Wirksame Reize können die gestochene Akupunktur-Nadel, Moxibustion oder auch Punktmassage oder ein elektrischer Reiz sein. Die Modalitäten der Behandlung richten sich im Wesentlichen nach der Schmerzursache und differieren erheblich zwischen akuten und chronischen Schmerzen.

Da die meisten Krankheitsbilder direkt oder indirekt mit Schmerzen einhergehen oder damit verkoppelt, oft dadurch auch charakterisiert sind, ist die Akupunktur-Therapie sicher immer auch eine Form der Schmerztherapie. Das Wesen der Akupunktur aber auf die Schmerz-Ebene zu reduzieren, hieße die Akupunktur von der funktionellen, ganzheitlichen Therapieoption zu einer reinen Schmerz-Therapie zu degradieren. In der TCM spiegelt der Schmerz die Auseinandersetzung zwischen dem körpereigenen Abwehr-QI (Wei Qi) als Bestandteil des Wahren – oder Antipathogenen QI (Zhen Qi) und dem eindringenden Pathogenen QI (Xie Qi) wieder. Schmerz signalisiert also, dass das Abwehr-QI und das Wahre QI relativ zu schwach gegenüber dem Pathogenen QI, also den pathogenen Faktoren sind. Das Verschwinden der Schmerzen zeigt, dass das Abwehr-QI und das Wahre QI wieder stärker als das Pathogene QI sind und gleichzeitig die QI- und Blut-XUE-Zirkulation wieder hergestellt sind. Damit haben Schmerzen einen direkten Bezug zum Zustand der Abwehr-QI. Generell lässt sich sagen, dass der Zustand des Abwehr-QI (Wei Qi) von zwei Faktoren abhängig ist, von Konstitution und Kondition, besser von Genotyp und Phänotyp.

Konstitution und Kondition

Die TCM unterscheidet eine pränatale Konstitution von einer postnatalen Konstitution, also die vorgeburtliche von der nachgeburtlichen Konstitution, damit der Gesamtkonstitution. Die vorgeburtliche Konstitution prägt den Genotypus, die ursprüngliche Erscheinung des Menschen zum Zeitpunkt seiner Geburt. Alle auf den Genotyp einwirkenden Faktoren führen zu Veränderungen und lassen den Phänotyp entstehen, ein Ist-Zustand zum jeweiligen Betrachtungszeitpunkt, vergleichbar mit einer pathogenetischen Aktualitätsdiagnostik.

Die vorgeburtliche Konstitution ist maßgeblich von den Eltern dominiert, einesteils als Erbgut, anderenteils aber auch durch die Lebensumstände der Eltern vor und während der Schwangerschaft, also als Ergebnis des jeweiligen Phänotyps des Elternpaares. Damit steht die pränatale Konstitution in maßgeblichem Zusammenhang mit der Art und Weise, wie wir später auf Schmerzen jeglicher Art reagieren. Der veränderliche Genotyp lässt aber auch diesbezüglich Veränderungen zu, d. h. das Schmerzerleben ist von äußeren Faktoren beeinflussbar, therapeutisch in der Psychosomatischen Medizin erfolgreich genutzt.

Die Gesamtkonstitution, der Phänotyp, unser Erscheinungsbild, oder auch nachgeburtliche Konstitution, wird unablässig von verschiedensten Faktoren beeinflusst und damit auch Veränderungen unterzogen. Maßgeblich beteiligt sind dabei das Wei Qi, das Zhen Qi und die Nieren-Essenz. Mangel an Nieren-Essenz erleichtert die Schmerzentstehung, setzt dabei Schwellenwerte herab. Da im Verlauf des Lebens etwa in der Lebensmitte, heute wohl um das 45. – 50. Lebensjahr die Abnahme der Nieren-Essenz offensichtlich wird, damit auch die körpereigenen Abwehr schwächer wird, pathogene Faktoren damit leichter eindringen können, leiden ältere Menschen häufiger unter Schmerzen als jüngere.

Weitere wesentliche Faktoren zur Prägung der postnatalen Konstitution, des Phänotypus mit der ihm eigenen Kondition finden sich in den Lebensbedingungen, der Ernährung, den Emotionen und letztlich der Bewegung. In Tab.2 sind die wichtigsten Faktoren zur Prägung des Phänotypus und damit die ätiologisch wichtigsten Faktoren aufgeführt.

Tab.2: Den Phänotyp prägende Faktoren
  • Bioklimatische Faktoren
  • Emotionale Krankheitsfaktoren
  • Lebensbedingungen
  • Ernährung, Fehlernährung
  • Mangel an Bewegung, Stress, Überforderung
  • Verletzungen


Besonders dem Lebensstil wird heute eine ganz entscheidende Bedeutung zuerkannt. In unserer schnelllebigen Zeit mit häufigen schnellen Ortswechseln, Schichtarbeit und Stress jeglicher Art wird permanent kurzfristig die Anpassung physiologischer Funktionsabläufe von uns gefordert, andernfalls werden die Kompensationsmöglichkeiten der einzelnen Funktionskreise erheblich gestört, Funktionsstörungen, Krankheit und nicht zuletzt Schmerz sind die Folgen. Die Organ-Uhr der TCM als Sinnbild des Standard-Biorhythmus der Organfunktionen wird gestört, unsere innere Uhr tickt nicht mehr richtig, Folge: Schmerz.

Eng verbunden oder auch Bestandteil des Lebensstils ist die Ernährung, oder besser noch Fehlernährung. Falsch ist die Maxime: Je mehr- umso besser! Ein zu wenig oder ein zu viel an Nahrungsmitteln und Nährstoffen beeinträchtigen den Funktionskreis Milz-Magen, schwächen die Mitte, stören Verdauung, Transport und Transformation, in deren Folge sich ein Mangel an QI, Blut-XUE und Jinye (Körperflüssigkeiten) entwickelt, schädigt das Wei Qi und fördert die Entstehung chronischer Krankheiten. Wir sprechen heute von einer Milieu-Schädigung, als Basis z. B. der Entwicklung von Stoffwechsel– und Krebserkrankungen unbestritten.

Die Äußeren pathogenen Faktoren, auch bioklimatischen Faktoren, sind in der Reihenfolge des Pentagramms Wind, Wärme/Hitze, Sommerhitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Kälte. Es erfolgt permanent die Auseinandersetzung mit dem Wei Qi im Biao (Gewebsschichten des Körperäußeren) und dem Zhen Qi im Li (Körperinneres).

Emotionale Krankheitsfaktoren, innere pathogene Faktoren, psychische Faktoren sind, ebenso dem Pentagramm zugeordnet, Ärger und Zorn/Wut, Freude und Hektik/Manie, übermäßiges Grübeln, Sorge/Kummer, sowie Angst. Bedeutungsvoll ist der direkte Einfluss der Faktoren auf die Funktion der gekoppelten inneren Organe, damit der Funktionskreise, und auf QI und Blut-XUE. Damit werden sie als wichtigste ursächliche Faktoren in der Entstehung unterschiedlichster Schmerzzustände angesehen.

Unser heutiges Leben ist wesentlich geprägt durch mangelnde Bewegung, permanenten Stress und einer chronischen Überforderung. Diese verändern unseren Lebensstil, sind aber auch Folgen der geänderten Lebensstilprägenden Bedingungen. Zusätzlich zu den beschriebenen emotionalen pathogenen Faktoren kann Stress, im Sinne von Dysstress, ein wesentlicher pathogenetischer Faktor verschiedener Erkrankungen und Schmerzstörungen sein. Chronische Überforderung und Stress sind eine Endlosspirale zur Dysfunktion aller Funktionskreise des Pentagramm, damit des gesamten Organismus.

Körperliche Bewegung und Anstrengung in physiologisch wirksamen Maßen wirken äußerst harmonisierend und damit auch Schmerz und Krankheit verhindernd. Dabei ist besonders auf eine adäquate Mischung aus Belastung und Ruhepausen zu achten. Dagegen ist eine ausgesprochen inaktive Lebensweise oder ein erheblicher Mangel an körperlichen Aktivitäten geradezu Krankheit und Schmerz provozierend. Die QI- und Blut-XUE-Zirkulation wird verlangsamt, die Funktion von Milz/Magen wird gestört, die wichtigen Schichten des Biao mit Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenken verkümmern durch Inaktivität.

Letztendlich führen auch Verletzungen jeglicher Art zu akuten Änderungen des Phänotyps, meist auch mit akuten Schmerzen verbunden. Auch in der westlichen Medizintheorie ist eine schnellstmögliche Beseitigung der Funktionsbehinderung und der Schmerzen unbestritten Therapiestandard. So auch in der TCM.

Dabei macht sich eine Differenzierung der Schmerzen aus verschiedenen Blickwinkeln notwendig. Diese wiederum ist Grundlage einer differenzierten Therapieoption über die Entwicklung allgemeiner Behandlungskonzepte bis hin zur Erarbeitung spezieller Therapie-Verfahren durch Akupunktur und TCM, mittels Nadel, Moxibustion, Heildrogenverschreibung oder anderen Reizparametern. Diese werden im Teil 2 beschrieben, wieder für alle lehrbar, lernbar, reproduzierbar, auf jeden Fall in den Kursen der DGfAN.

Getreu unserem Motto: Fit für die Praxis der Zukunft!


Dr. med. Reinhart Wagner
Facharzt für Allgemeinmedizin
Facharzt für Sportmedizin
Akupunktur, Chirotherapie, NHV
Kuhbacher Hauptstr. 71
77933 Lahr
dr.wagner@dgfan.de

Literatur beim Verfasser

Aktualisiert am: 17.10.2013


Reisebericht

Treffen mit Kollegen und auf den Spuren der Maya

» mehr » weitere Reiseberichte
Website durchsuchen
Mitgliederzugang
Kontakt
Geschäftsstelle
Mühlgasse 18 b
07356 Bad Lobenstein

Tel.: 036651 / 55075
Fax.: 036651 / 55074
E-Mail: dgfan@t-online.de